Prüfungsangst?
Dafür gibt es jetzt die Schulpsychologin

 

 

Die Tür des Raumes 202 im 2. OG der Sekundarschule steht weit offen.
Der Raum wirkt hell und freundlich und durch die Tür fällt mein Blick direkt auf eine einladende Sitzgruppe,
die vor dem Fenster steht.

Ich klopfe trotz der offenstehenden Tür an und eine junge Dame, die mitten im Raum steht, wirbelt zu mir herum.

Sie lächelt und begrüßt mich herzlich.
Ihre freundliche Art erreicht mich noch vor ihrer zur Begrüßung ausgestreckten Hand und ich freue mich,
heute unsere Schulpsychologin, Frau Moeser, kennenlernen zu dürfen.,

Wir setzen uns an den schönen Glastisch am Fenster.

Sie sei erst seit zwei Wochen an unserer Schule, erzählt sie von sich selbst.
Und sie freut sich, dass sie die SchülerInnen der Wilhelmstadt Sekundarschule auf ihrem Weg begleiten und unterstützen darf denn,
wie sie anmerkt, ist eine eigene Schulpsychologin nicht die Regel an deutschen Schulen. Normalerweise befinden sich Schulpsychologen
„auf der Durchreise“, erzählt sie. “Schulpsychologen sind sonst nur wenige Tage an einer Schule und erhalten von den Lehrern
eine Liste mit Schülernamen. Mit diesen Schülern werden Gespräche geführt und es werden Empfehlungen gegeben bevor es
zur nächsten Schule weitergeht. Viel bewegen kann man da nicht.“

Hier ist es zum Glück anders.
Unsere SchülerInnen können von Frau Moeser langfristig begleitet oder kurzfristig beraten werden. Ganz nach Schülerwunsch.
Gibt es mehr Redebedarf oder werden weitere Informationen benötigt, werden nach Absprache auch die Eltern der Schüler zu Rate gezogen.

Wann die SchülerInnen zu ihr kommen können, frage ich und erfahre, dass Frau Moeser den Schülern täglich zur Verfügung steht,
von Montag bis Freitag zwischen 8:30 und 16 Uhr und am Freitag zwischen 11 und 14 Uhr.


„Wenn ein Schüler oder eine Schülerin beispielsweise eine Mathearbeit schreibt und merkt, dass die Prüfungsangst zu groß wird,
kann er oder sie mich gerne auch kurz vor der Arbeit noch aufsuchen und ich versuche mit ihm oder ihr zusammen, an der Angst zu arbeiten“,
erzählt Frau Moeser. „Oder es kommen Schüler, die Konflikte mit anderen Schülern haben. Solche Dinge kann man meist natürlich nicht
in einem Gespräch klären aber wir können an solchen Dingen länger zusammen arbeiten. Wenn die Schüler wollen, biete ich auch
regelmäßige Termine an“ erzählt sie.

Ich bin beeindruckt.

Es klopft an der Tür. Zwei Jugendliche fragen, ob Frau Moeser kurz Zeit hat. Sie seien zu spät zum Unterricht gekommen
und wurden zu ihr geschickt. Frau Moeser redet kurz mit den beiden und schickt sie dann zu einem anderen Pädagogen.
„Zeitmanagement machen wir auch“, erzählt sie mir während sie die Tür schließt. „Wenn SchülerInnen zu spät kommen,
kommen sie zu mir. Wir besprechen dann, was der Grund für die Verspätung war und überlegen situationsabhängig,
wie man Verspätungen vermeiden kann“.

Wie sie die Herausforderung „mulitkulti“ an unserer Schule erlebt, frage ich und erfahre, dass Frau Moeser bereits angefangen hat,
etwas über türkische und arabische Bräuche zu lernen. „Vieles davon kannte ich früher gar nicht. Aber ich werde in meinem Zimmer
zu Weihnachten auch einen Adventskalender aufhängen und die Kinder können dann die Türchen öffnen“, ergänzt sie.
Es sei wichtig, miteinander zu leben und die Scheu vor dem anderen zu überwinden.

Das Wort „Vorurteile“ fällt und wir stellen gemeinsam fest, wie schwer und wichtig es in einer Stadt wie Berlin ist,
Vorurteile zu überwinden und Menschen unvoreingenommen zu begegnen. „Hier an der Schule kann das gelingen“, sagt sie überzeugt.

Frau Moeser ist 27 und hat das Potential erkannt, das an unserer Schule schlummert. Das wird mir im Gespräch schnell klar.
Sie hat Pläne und Ziele und sie kennt den Weg. Die freundliche Berlinerin, die in Berlin und in Kassel studiert hat,
arbeitet für die Schule an vielen Programmen, die nach und nach realisiert werden sollen. Ein Projekt, welches sie aktiv unterstützen wird,
sind die Streitschlichter. Jugendliche unserer Schule werden von ihr und andere Pädagogen ausgebildet, Konflikte gewaltfrei zu lösen
und mit ihren Mitschülern zusammen Strategien zur Gewaltvermeidung zu entwickeln. „Das alles gehört zu unserem Projekt
‚Schüler mit Verantwortung‘“, erzählt sie weiter. „Wir unternehmen Fahrten zur Gemeinschaftsbildung und wir wollen Jugendliche
vom Roten Kreuz zu Ersthelfern ausbilden lassen. Außerdem werden bald durch unsere Schüler in den Pausen Spiel- und Sportgeräte verleihen“.

Es klopft wieder an der Tür. Eine Pädagogin der Schule bringt einen Jungen vorbei, der dringend Redebedarf hat.
Der Kummer steht dem Jungen ins Gesicht geschrieben und ich fühle, dass der Junge Frau Moeser im Moment dringender braucht als ich.
Der Junge wartet draußen und wir beenden das Gespräch. Ich verabschiede mich von Frau Moeser mit dem guten Gefühl zu wissen,
dass unsere SchülerInnen mit ihren Sorgen und Nöten und sehr guten Händen sind.

 

Frau Moeser ist seit November 2017 Schulpsychologin an der Wilhelmstadt Oberschule.
Sie hat Psychologie (B. Sc. und M. Sc. Psychologie) mit den Schwerpunkten Klinische Psychologie sowie Arbeits- und Organisationspsychologie
in Berlin und Kassel studiert und war von 2014 bis 2017 im Bereich der familienpsychologischen Begutachtung für deutsche Familiengerichte tätig.
Frau Moeser ist lizenzierte Therapeutin für medizinische Hypnose. Aktuell befindet sie sich nebenberuflich in der kombinierten psychodynamischen
Therapieausbildung (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse). Frau Moeser führt Einzel- und Gruppengespräche
mit Schüler/innen, Eltern und Lehrer/innen durch.

 

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